Definitionen
- • ELEKTRISCHE Frequenzweiche = das, was Sie im DSP programmieren (HPF/LPF mit Frequenz und Flanke)
- • AKUSTISCHE Frequenzweiche = das, was Sie tatsächlich mit dem Mikrofon messen (RTA/REW)
In 98 % der Fälle sind sie NICHT identisch. Das ist normal und zu erwarten.
Warum der Unterschied?
Der Lautsprecher hat einen NATÜRLICHEN Abfall (Roll-off), der sich zum DSP-Filter addiert:
Konkretes Beispiel:
- • Natürlicher Abfall des Hochtöners nach unten: -18 dB/Okt. (physikalische Eigenschaft)
- • HPF im DSP: LR4 = -24 dB/Okt. (elektrischer Filter)
- • Gemessene AKUSTISCHE Flanke: -18 + (-24) = -42 dB/Okt. (was das Mikrofon sieht)
Weiteres Beispiel:
- • Natürlicher Abfall des Tieftöners nach oben: -12 dB/Okt.
- • LPF im DSP: LR4 = -24 dB/Okt.
- • Akustische Flanke: -36 dB/Okt.
Die akustische Flanke ist IMMER steiler als die elektrische Flanke.
Worauf es bei der Abstimmung ankommt
Bei der Kalibrierung zählen NUR die AKUSTISCHEN Frequenzweichen (was das Mikrofon misst). Die elektrische Frequenzweiche im DSP ist ein Werkzeug, um das akustische Ziel zu erreichen.
Ziel: Der gemessene Frequenzgang jedes Lautsprechers soll der Zielkurve entsprechen (typischerweise akustisch LR4 am Übernahmepunkt = -6 dB).
Praktische Konsequenz:
- • Der elektrische HPF muss so gesetzt werden, dass er den Lautsprecher SCHÜTZT (sichere Frequenz), mehr nicht
- • Die akustische Flanke entsteht aus der Kombination von DSP-Filter + EQ + natürlichem Abfall des Lautsprechers
- • Zwei identische Systeme können sehr unterschiedliche elektrische Frequenzweichen haben und gleich klingen — der akustische Frequenzgang bestimmt den Klang
Häufiger Fehler
Der häufigste Anfängerfehler: zu wollen, dass die elektrische Frequenzweiche im DSP exakt dem akustischen Ziel entspricht.
Beispiel für den Fehler:
„Ich will eine akustische LR4-Flanke (-24 dB/Okt.) am Übernahmepunkt des Lautsprechers, also setze ich im DSP einen LR4-HPF genau bei dieser Frequenz.“
Realität: Mit dem natürlichen Abfall des Hochtöners fällt die akustische Flanke viel steiler aus (-42 dB/Okt. oder mehr). Um akustisch -24 dB/Okt. zu erreichen, braucht man im DSP vielleicht einen BW12- oder sogar LR2-Filter.
Der einzige Weg, das zu wissen: messen und iterieren.
Fazit
Das Fazit ist einfach: Hören Sie auf, Ihre elektrischen Weicheneinstellungen an Ihr akustisches Ziel anpassen zu wollen. Nutzen Sie die DSP-Weiche zum Schutz Ihrer Lautsprecher und anschließend EQ und Messung, um den tatsächlichen akustischen Frequenzgang zu formen. Messen, iterieren und dem Mikrofon mehr vertrauen als dem Einstellungsbildschirm.
Sound Architect
Sound Architect berechnet sichere Trennfrequenzen für Ihre Lautsprecher und führt durch die akustische Überprüfung.
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